Dein neuer IKEA-Tisch hat nach der ersten Party einen hellen Kratzer? Du hast gelesen, Zahnpasta könnte helfen — aber ist das wirklich harmlos? Lies das jetzt, bevor Du mit der Tube drauflosrubbelst: ich habe es ausprobiert und erkläre Dir, wann es klappt, wann es schadet und was die Profis stattdessen tun.
Warum Zahnpasta zuerst logisch wirkt
Viele greifen zur Zahnpasta, weil sie feine Schleifkörper enthält. Im Prinzip versucht man damit, die Kante des Kratzers zu „verschleifen“, so dass sie für das Auge weniger sichtbar wird.
Ich habe das an einer abgesplitterten Lackkante getestet: kurzzeitig wirkt es besser, doch der Glanz ändert sich — und das fällt auf.
Was Möbelhersteller anders machen
Hersteller verstecken Kratzer nicht mit Haushaltstipps, sie verändern die Oberfläche technisch. Das ist kein Hexenwerk, sondern Materialkunde.
- UV‑gehärtete Lacke: Härter und langlebiger als normale Lacke — die Oberfläche wird erst gar nicht so leicht angeritzt.
- Melaminbeschichtungen: Sehr kratzfest bei Küchenarbeitsplatten und günstigen Schrankfronten.
- Mehrschichtige Lackaufträge + Politur: Mini‑Kratzer werden abgeschliffen und neu poliert, fast unsichtbar.
- Furnierreparatur per Wärme und Holzkit: Bei Echtholzfurnier arbeiten sie mit Füllstoffen, nicht mit Zahnpasta.
Das Risiko: Wann Zahnpasta Schaden anrichtet
Viele übersehen einen einfachen Fakt: Oberflächen sind verschieden. Was beim Plastik klappt, zerstört ein matte Lackierung.
- Keine Zahnpasta auf unbehandeltem oder geöltem Holz — das saugt und verändert die Farbe.
- Auf matt lackierten Flächen kann Zahnpasta glänzende Flecken hinterlassen.
- Bei Furnier: Schrubben kann die dünne Holzschicht aufrauen oder ablösen.
Nicht jede Oberfläche mag Zahnpasta — deshalb: immer zuerst an einer unauffälligen Stelle testen.

Mein praktischer Test: Zahnpasta vs. Kratzer — Schritt für Schritt
Ich habe es an drei Oberflächen ausprobiert: Kunststoff (IKEA), glänzender Lack (TV‑Board) und geölte Eiche. Ergebnis gemischt — hier die sichere Methode, falls Du es unbedingt versuchen willst.
- Materialien: normale weiße Zahnpasta (keine Gel‑Form), weiches Mikrofasertuch, Glas Wasser, Möbelwachs oder Politur.
- Wo kaufen: Zahnpasta bekommst Du bei dm oder Rossmann; Politur und Reparatursets bei OBI, Hornbach oder Bauhaus (Kosten ca. 3–20 EUR).
So gehst Du vor:
- Teste an einer unauffälligen Stelle (Innenseite, Unterkante): einen Erbsengröße Zahnpasta auftragen, 10–20 Sekunden leicht einreiben, abwischen.
- Wenn keine Verfärbung oder Glanzunterschied entsteht, weiter vorgehen.
- Trage wenig Zahnpasta auf das Mikrofasertuch auf, reibe in kreisenden Bewegungen über den Kratzer (max. 30 Sekunden).
- Mit feuchtem Tuch abnehmen, trocknen lassen und beurteilen. Wiederhole maximal einmal.
- Zum Schluss Möbelwachs oder eine feine Politur auftragen, damit die Stelle nicht auffällt und die Oberfläche geschützt wird.
Teste zuerst an unauffälliger Stelle — das verhindert böse Überraschungen.
Bessere Alternativen aus dem Baumarkt (die Profis nutzen)
Wenn Du nicht experimentieren willst, lohnt sich ein kleiner Einkauf im Baumarkt. Für 5–15 EUR bekommst Du oft ein besseres Ergebnis als mit Zahnpasta.
- Wachsstifte für Möbel (farblich anpassbar) — ideal für kleine Kratzer in Holzfurnier.
- Touch‑Up‑Marker (Holzfarben) — schnell, sauber, günstig (3–6 EUR).
- Polierpaste für Lacke oder Kunststoff — entfernt Mikrokratzer ohne Glanzverlust.
- Füllspachtel für Furnier — wenn das Holz wirklich fehlt.

Schnelle Life‑Hack: Wenn’s wirklich nur ein feiner Kratzer ist
Das ist mein No‑Nonsense‑Trick, den ich öfter bei höflichen Macken anwende (z. B. von Kinderspielzeug auf dem Esstisch):
- 1 Erbsengröße weiße Zahnpasta auf weiches Tuch
- 30 Sekunden kreisend reiben, moderater Druck
- Mit feuchtem Tuch abwischen, trocknen lassen
- Leicht mit Möbelwachs (z. B. von Pflegeprodukten, die Du bei dm oder Hornbach findest) nachpolieren
Das funktioniert am besten auf Kunststoff und auf glänzenden Lackflächen für sehr feine Kratzer. Bei massiven Schäden: lieber Reparaturset kaufen oder Fachmann fragen.
Warum Hersteller nicht „einfach Zahnpasta“ empfehlen
Möbelhersteller wollen Konsistenz: gleiche Farbe, gleiches Finish, langlebig. Eine Tube Zahnpasta macht vielleicht kurzfristig unsichtbar, verändert aber oft Glanz und Schutzschicht.
By the way: in der Heizperiode (Winter) reagiert Holz empfindlicher — das gilt besonders in Deutschland, wo trockene Heizungsluft Möbel schneller arbeiten lässt.
Mein Fazit
Zahnpasta kann kurzfristig helfen — vor allem bei Kunststoff und sehr feinen Kratzern. Aber sie ist kein Allheilmittel und kann empfindliche Möbeloberflächen ruinieren. In vielen Fällen ist ein günstiger Wachsstift, Touch‑Up‑Marker oder eine Polierpaste die bessere Wahl.
Und jetzt Du: Hast Du schon mal Zahnpasta auf einem Möbelkratzer ausprobiert — mit Erfolg oder totalem Fiasko? Schreib Deine Erfahrung in die Kommentare.
