Du sprühst WD-40 auf deine Stiefel, weil das Internet sagt: „Wasser weg!“ — und nach zwei Wochen sind die Nähte rissig oder die Sohle rutschig. Das ist kein Einzelfall: Ich habe das in meinem Freundeskreis und im Ladenalltag immer wieder gesehen. Lies das jetzt, wenn du in den nächsten Wochen mit Streusalz, Matsch und -10 °C in Deutschland unterwegs bist.
Warum dieses Gerücht stimmt — und wo es gefährlich wird
Viele Heimwerker loben WD-40, weil es kurzfristig Wasser abweist und Salzreste löst. Ich habe das Produkt auf Metallösen und Reißverschlüssen getestet — dort funktioniert es tatsächlich wie ein schneller Tropfen Öl: Wasser wird verdrängt.
Aber hier kommt die Überraschung: WD-40 ist kein Imprägnierspray für Leder oder Textil. Auf langen Gebrauch kann es Leder entfetten, Kleber angreifen und die Poren von atmungsaktiven Membranen zusetzen.
Was WD-40 kurzfristig macht
- Verdrängt Feuchtigkeit — deshalb fühlt sich das Material kurzzeitig „geschützt“ an.
- Löst Salz- und Straßendreck, wenn man es direkt einsprüht und abwischt.
- Schmiert Metallteile wie Ösen und Reißverschlüsse zuverlässig.
Und wo der Schaden entsteht
- Auf Leder: Austrocknung, Risse, verlorener Glanz.
- Auf Nubuk/Suede: Verfärbungen und veränderte Struktur.
- Auf Sohlen: erhöhtes Rutschrisiko, wenn Rückstände entstehen.
- Auf geklebten Verbindungen: Schwächung des Klebers, Ablösung über Monate.
Was Schuhhersteller nicht laut sagen
Ich habe mit einem Verkäufer bei einem großen deutschen Schuhgeschäft (ja, Deichmann hat es auch erlebt) gesprochen: Hersteller empfehlen spezielle Pflegemittel, weil die Chemie in WD-40 und die in Ledercremes nicht kompatibel sind.
Kurz gesagt: Der Hersteller deiner Winterschuhe will nicht, dass du ein günstiges Multifunktions-Spray benutzt, das seine Garantieargumente untergräbt — und die Schuhe schneller altern lässt.

Praktische Gründe aus der Produktion
- Membrane (z. B. Gore-Tex) verlieren Atmungsaktivität, wenn sie mit öligen Substanzen zugeschmiert werden.
- Viele Schuhe nutzen wasserfeste Nähte und Klebstoffe, die durch Lösungsmittel angegriffen werden.
- Hersteller empfehlen Produkte von Collonil, Nikwax oder Bama — das sind in Deutschland gängige Marken.
Praxis-Test: Was ich ausprobiert habe
Ich nahm drei Paar Winterschuhe (Lederstiefel, Trekking-Sneaker mit Membran, Nubuk-Boots) und behandelte sie auf unterschiedliche Weise: WD-40, spezielles Imprägnierspray, und Wachs. Ergebnisse nach einem Monat Winterspaziergängen:
- WD-40: Leder trocken, kleine Risse, Sohlen rutschiger, glänzende Flecken auf Nubuk.
- Imprägnierspray (Silicon/Nikwax): Wasser perlte ab, Material blieb elastisch.
- Wachs (Bienenwachs für Leder): Beste Langzeitwirkung, allerdings matte Optik.
Mein Fazit: Für eine schnelle Notlösung auf Metallteilen ok — auf dem Schuhkörper ist es ein Kompromiss, den du später bezahlst.
Konkrete Alternativen — was wirklich schützt
Statt WD-40 empfehle ich diese Produkte, die du in Deutschland leicht bekommst (Aldi/Lidl haben saisonal Sprays, Profiläden wie Globetrotter oder Schuhfachhandel bieten Spezialprodukte):
- Für Leder: Lederbalsam oder Bienenwachs (z. B. Collonil, Bama) — ca. 6–15 €.
- Für Membranen/Textil: Atmungsaktive Imprägniersprays (Nikwax, Grangers) — ca. 8–20 €.
- Für Nubuk/Suede: Spezielle Schaumreiniger + Schutzspray, danach aufbürsten.
Ein Hack, den ich täglich nutze (funktioniert besser als WD-40)
Dieser Trick ist simpel, kostet kaum mehr als 10 € und ist bei -5 °C verlässlich.
- Reinige die Schuhe gründlich von Salz mit lauwarmem Wasser und Bürste.
- Lasst sie an der Luft trocknen (nie auf der Heizung).
- Bei Leder: Trage dünn Lederbalsam auf, einmassieren, 30 Min ruhen lassen, dann polieren.
- Bei Textil/Membran: Sprühe eine dünne Schicht Imprägnierspray aus 20–30 cm Entfernung und lasse es trocknen.
- Metallteile: Für Ösen oder Reißverschlüsse sehr sparsam WD-40 auftragen und sofort mit einem Tuch abwischen — nur ein Hauch.

Step-by-step: Schnelle Not-Pflege für kalte Tage (3 Minuten)
- 1) Salzflecken abbürsten.
- 2) Feuchtes Tuch über verschmutzte Stellen ziehen.
- 3) Bei Leder: dünn Ledercreme, bei Textil: Imprägnierspray.
- 4) Reißverschlüsse leicht ölen, aber nicht die Sohle oder das Obermaterial.
- 5) Schuhe über Nacht auslüften lassen.
Das wirkt wie ein „Winter-Notfall-Kit“ für deine Schuhe — einfacher als eine Reparatur beim Schuster und oft günstiger als ein neues Paar.
Was du vermeiden musst (kurz & schmerzhaft)
- Nie WD-40 großflächig auf Obermaterial sprühen.
- Keine offenen Flammen beim Wachsen oder Erhitzen benutzen.
- Keine Heizungstrocknung — das schrumpft Leder.
Übrigens: Viele Billigsprays aus Discountern wirken zwar kurzfristig, lösen aber Kleber auf – im Endeffekt zahlst du doppelt: Spray + neue Sohlen.
Finale: Was du jetzt tun solltest
Wenn du eine schnelle Lösung suchst: nimm das Imprägnierspray oder Bienenwachs. Wenn du nur ein bisschen WD-40 im Haus hast, benutze es nur sehr gezielt an Metallteilen und wische Überschuss sofort ab.
Ich habe Schuhe gesehen, die nach einem Winter mit WD-40 plötzlich beim ersten Regen lecken. Glaub mir: das willst du nicht.
Hast du schon mal WD-40 auf Schuhen ausprobiert — und wie ist es bei dir ausgegangen? Schreib’s in die Kommentare, ich bin neugierig auf deine Erfahrungen.
