Was Köche wirklich in kochendes Wasser geben – und warum es nicht Salz ist

Was Köche wirklich in kochendes Wasser geben – und warum es nicht Salz ist
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Du hast immer gehört, Salz macht Wasser schneller heiß? Ich habe das auch geglaubt — bis ich in Profi-Küchen gearbeitet und ein paar Tricks selbst probiert habe. Viele Hausköche fokussieren sich auf Salz, dabei sind es ganz andere Zusätze, die dein Essen retten oder ruinieren.

Jetzt erfährst du, was wirklich in den Topf gehört, wann du es tun solltest und warum Salz allein nicht die Antwort ist — besonders praktisch für schnelle Abendessen nach der Arbeit oder wenn du bei Rewe & Co. einkaufst.

Warum das „Salz macht schneller heiß“-Mantra falsch ist

Kurz und sachlich: Salz erhöht zwar den Siedepunkt des Wassers, aber so minimal, dass du es im Alltag nicht merkst. Das ist Physik, kein Küchen-Hack.

Köche salzen Wasser primär wegen des Geschmacks, nicht, um Zeit zu sparen. Wenn du also Pasta, Kartoffeln oder Gemüse kochst, ist das Ziel: Würzen von Anfang an, nicht schneller kochen.

Die echten Dinge, die Profis ins kochende Wasser geben

1) Essig — der geheime Helfer beim Pochieren

Ich habe in meiner Praxis unzählige Eier pochiert: Ein Schuss Essig verändert das Spiel. Er hilft, dass das Eiweiß schneller stockt und kompakter bleibt.

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  • Wie viel: 1 Esslöffel Essig pro Liter Wasser reicht.
  • Für welche Gerichte: pochierte Eier, pochierter Fisch, schnelle Tomatensaucen beim Abschmecken.
  • Mein Tipp: Verwende milden Weißweinessig oder Apfelessig — der Geschmack bleibt dezent.

2) Stärke — das kostenlose Bindemittel (Stärke aus Pasta-Wasser)

Viele unterschätzen heißen, stärkehaltigen „Pasta-Wasser“-Zauber. Köche schöpfen immer etwas davon auf und geben es in die Sauce.

  • Warum: Die Stärke bindet Sauce, macht sie cremiger und sorgt dafür, dass sie an der Pasta haftet.
  • Regel: 50–150 ml Kochwasser pro Portion Sauce aufbewahren.

3) Ein Spritzer Öl? Nicht, wenn du Sauce willst

Ich sehe oft Hausköche, die Öl ins Pasta-Wasser kippen, um Kleben zu verhindern. Profi-Tipp: Das funktioniert — und verhindert gleichzeitig, dass Sauce an der Pasta haftet.

  • Also: Öl hilft beim Verhindern des Klebens, aber kostet dich Geschmack und Textur.
  • Besser: Rühren, richtige Topfgröße und heißes, gut gesalzenes Wasser.

4) Natron (Backsoda) — nur mit Vorsicht

Ein winziger Löffel Natron macht Gemüse knallgrün und weicher — aber es tötet auch Geschmack und Nährstoffe.

  • Nutzen: Kann Zeit sparen, wenn du sehr harte Hülsenfrüchte oder besonders resistente Kohlsorten kochst.
  • Risiko: Wird schnell matschig und seifig im Geschmack.
  • Mein Rat: Lieber blanchieren und sofort in Eiswasser abschrecken.

5) Salz — doch der richtige Grund

Salz bleibt wichtig, aber nicht als Boil-Booster. Es ist Würze, nicht Beschleuniger. Profis salzen nach Gefühl: etwa 10 g pro Liter (das ist ungefähr 1% — du kannst ein bisschen mehr geben, wenn du kräftig würzen willst).

  • Für Pasta: Salz ins kochende Wasser, nicht in die Sauce als Ersatz.
  • Für Kartoffeln: Salz von Anfang an, so zieht es ins Innere der Knolle.

Praktische Hacks — Schritt für Schritt

Perfekte pochierte Eier (für Frühstücks-Liebhaber)

  • Topf mit 1 Liter Wasser zum Simmern bringen.
  • 1 EL Essig pro Liter dazugeben; leicht salzen.
  • Ei in eine kleine Schüssel schlagen, Wirbel im Wasser erzeugen, Ei hineinrutschen lassen.
  • 1–3 Minuten je nach Größe; mit Schaumlöffel rausnehmen und kurz auf Küchenpapier abtropfen lassen.

Blanchieren + Schock: Gemüse knallgrün behalten

  • Großer Topf mit Salzwasser aufkochen (10 g Salz/L).
  • Gemüse 1–3 Minuten kochen (je nach Sorte).
  • Sofort in eine Schüssel mit Eiswasser legen — das stoppt den Garprozess.

Pasta, die Sauce wirklich liebt

  • Viel Wasser (mind. 1 L pro 100 g Pasta), kräftig salzen (10 g/L).
  • Rühren in den ersten 60 Sekunden.
  • Vor dem Abgießen 100 ml Kochwasser abnehmen und aufbewahren.
  • Sauce mit Pasta in Pfanne kurz fertigziehen, bei Bedarf Kochwasser zugeben.

Was du bei Aldi, Rewe oder Edeka im Kopf behalten solltest

In Deutschland findest du gute Essigsorten und Meersalz fast überall. Kaufe lieber ein günstiges Flaschen-Essig im Supermarkt statt teuren Spezialprodukten — der Effekt beim Pochieren ist derselbe.

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Und wenn du experimentierfreudig bist: Backsoda (Natron) gibt’s bei DM und Supermärkten. Nutze es aber sparsam — weniger ist mehr.

By the way — ein Küchenmythos, den ich oft höre

Viele denken, Öl im Kochwasser rettet alles. Ich habe Küchen gesehen, in denen das Ergebnis eine Sauce ohne Halt war. Öl gehört in die Pfanne, nicht in den Topf, wenn du Pasta mit Sauce willst.

Und noch etwas: Wer das Gefühl hat, sein Gemüse wird beim Blanchieren niemals „knackig“, testet oft zu kleine Töpfe. Größe des Topfes ist eine unterschätzte Stellschraube.

Fazit

Salz ist wichtig — aber nicht als Boil-Booster. Die wirklichen Profi-Tricks sind Essig zum Pochieren, stärkehaltiges Pasta-Wasser für Saucen, richtiges Blanchieren mit Eiswasser und sehr sparsam Natron. Das sind keine Zaubersprüche, sondern kleine Entscheidungen, die Textur und Geschmack verändern.

Welche dieser Methoden probierst du als Erstes bei deinem nächsten Abendessen? Erzähle von deinem Ergebnis — ich bin neugierig, welche Küchenkatastrophen wir zusammen verhindern können.