Du hast das Holz frisch abgeschliffen, Farbe bereit und denkst: „Schnell noch lackieren“? Stopp — das ist der Moment, an dem viele Projekte scheitern. Ich habe in meiner Praxis gesehen, wie eine Stunde Ungeduld Demontage, Schruppen und neue Kosten ausgelöst hat.
Gerade in Deutschland, wo Luftfeuchte und wechselhaftes Wetter Projekte nerven, lohnt es sich, jetzt kurz zu lesen. Hier kommt, warum feuchtes Holz unter Farbe ein Albtraum ist — und wie Du es wirklich richtig machst.
Warum das sofort schiefgeht
Das Holz arbeitet — und die Farbe kann das nicht
Holz nimmt Feuchtigkeit auf und gibt sie wieder ab. Wenn Du feuchtes Holz streichst, trocknet das Holz unter dem Film weiter und verändert sein Volumen. Das Ergebnis: Lackrisse, Blasen oder Abplatzungen.
Die Konsequenzen auf einen Blick
- Blasenbildung und Abblättern — die Farbe löst sich wie ein nasser Pulli unter dem Lack.
- Schimmel und Moder — unter feuchtem Lack finden Sporen gute Bedingungen.
- Verzogene Türen oder Rahmen — das Holz verzieht, die Farbe reißt.
- Geringere Lebensdauer des Anstrichs — teure Nacharbeit statt Ersparnis.
- Versteckte Schäden — Feuchtigkeit kann Holzfäule fördern, die Du erst später siehst.
5 häufige Fehler, die ich immer wieder sehe
- Direkt nach Regen oder Nebel streichen — das Holz fühlt sich trocken, ist es aber nicht.
- Auf das Gefühl vertrauen statt messen — das kostet später Nerven und Geld.
- Innenraumfarbe außen verwenden oder umgekehrt — falsche Rezeptur, falsche Haftung.
- Unzureichende Vorbereitung: keine Grundierung, alte Farbe nicht entfernt.
- Arbeiten bei hoher Luftfeuchte (z. B. Norden Deutschlands im Herbst) — Lack braucht trockene Luft.

Wie Du sicherstellst, dass Holz wirklich trocken ist
In meiner Werkstatt habe ich ein paar einfache Prüfungen, die immer funktionieren. Manche kosten nichts, andere ein paar Euro — lohnen sich aber.
Die Profi-Methode: Feuchtigkeitsmesser
- Gute Geräte findest Du bei OBI, Hornbach oder Bauhaus — ab ~20–30 €.
- Für Möbel innen: Zielwert etwa 8–12% Feuchte.
- Für Außenholz: unter ~15% ist ein guter Richtwert.
Der No-Tool-Hack (Plastiktüten-Test)
- Stück Folie (Zewa oder Gefrierbeutel) aufkleben, Kante dichteklebend mit Malerkrepp.
- 24 Stunden warten: Kondenswasser oder dunkle Stelle = Holz zu feucht.
- Kein Beschlag = erste gute Indikation, aber kein Ersatz für Messgerät bei Profiarbeit.
Praktische Schritt-für-Schritt-Anleitung: So trocknest Du Holz richtig
Wenn Du es eilig hast, ist hier mein bewährtes Mini-Protokoll:
- 1) Messen: Feuchtigkeitsmesser an mehreren Stellen prüfen.
- 2) Lagern: Holz gestapelt mit Abstandshaltern (Latten) für Luftzirkulation.
- 3) Trocknen: Innenraum warm & trocken (Heizung oder Luftentfeuchter — beim Renovieren oft in Mietpreisen nicht bedacht).
- 4) Kontrolle: Plastiktüten-Test an einer unauffälligen Stelle wiederholen.
- 5) Grundieren: Erst Grundierung, dann zwei dünne Deckschichten; lieber dünn & mehrere Schichten als dick & eine.
Feuchtigkeitsmesser ist dein bester Freund — besonders bei teuren Fensterbrettern oder Terrassenholz. In Hamburg oder Bremen musst Du anders planen als in trockenen Sommern in München.
Welche Materialien sind gnädiger — und welche nicht?
Ölbasierte Lacke vertragen leicht höhere Restfeuchte als reine Wasserlacke, reißen bei Bewegung aber trotzdem. Holzschutzlasuren sind oft verzeihender bei geringem Restfeuchtegehalt.
Übrigens: Kiefer oder Fichte trocknen anders als Eiche — harte Hölzer speichern oft länger Feuchtigkeit.

Was Du im Baumarkt (OBI, Hornbach, Bauhaus) schnell kaufen kannst
- Einfacher Feuchtigkeitsmesser (kontakt oder nicht) — 20–80 €.
- Luftentfeuchter für Räume — mietet oder kauft man in vielen Regionen, kostet oft 5–15 € pro Tag.
- Holzfeinschleifmittel & Grundierung passend für innen/außen.
Ein reales Beispiel aus meiner Arbeit
Ich habe neulich eine Veranda in Norddeutschland angeschaut: Der Kunde hatte sofort gestrichen, nachdem die Nacht aufgehört hatte zu regnen. Zwei Monate später blätterte der Lack großflächig ab — komplett neu machen. Das hätte 100 € Material und ein Wochenende gespart, wenn er 48 Stunden gewartet oder den Feuchtegehalt geprüft hätte.
Zum Schluss
Kurz gesagt: Feuchtes Holz + Farbe = Zeit- und Geldfalle. Ein paar Minuten messen oder 24 Stunden warten sparen Dir später Wochenend-Arbeit und Frust. In Deutschland mit seinem Wechselklima lohnt sich das besonders.
Welche Erfahrungen hast Du gemacht — hast Du schon mal einen Anstrich wegen feuchtem Holz neu machen müssen? Schreib’s in die Kommentare.
