Sie hängen den dicken Mantel in den Schrank – und ein paar Wochen später entdecken Sie Löcher, muffigen Geruch oder sogar weiße Pilzflecken. Viele schreiben das nur den Motten zu, dabei arbeiten Feuchtigkeit und Textilschädlinge oft Hand in Hand. Ich habe in zehn Jahren Redaktion immer wieder gesehen: wer nur eine Maßnahme ergreift, verliert Kleidung. Wer den ganzen Kontext versteht, gewinnt Zeit und Geld zurück.
Was wirklich passiert: Motten, Larven und Feuchtigkeit
Die berühmten Kleidermotten (Tineola bisselliella, Tinea pellionella) fressen nicht die synthetischen Jacken, sondern Proteine in Wolle, Seide, Pelz und Daunen. Entscheidend ist: Motten legen ihre Eier in dunklen, unbewegten Verstecken – und die Larven fressen gerne verschmutzte Stellen (Schweiß, Speisereste). Feuchtigkeit selbst lockt Motten nicht direkt an, aber sie verändert das Mikroklima:
- Hohe Luftfeuchte (ab ~60 %) fördert Schimmel und faule Stellen, die Fasern schwächen.
- Geschwächte oder verschmutzte Fasern sind für Larven attraktiver und leichter zu durchdringen.
- Feuchte, schlecht belüftete Schränke bieten den dunklen, geschützten Raum, den Motten lieben.

Fakten, die Sie überraschen werden
- Eine weibliche Motte kann bis zu 200 Eier legen – und die Larven fressen Monate, wenn die Bedingungen stimmen.
- Mottenbefall zeigt sich oft erst, wenn der Schaden schon da ist: Löcher sind ein Spätzeichen.
- Nicht jede „muffige“ Flecken sind Motten: Schimmel und Stockflecken sind eigenständige Probleme mit anderen Gesundheitsrisiken.
Praktische Schritte: So retten Sie Ihre Wintersachen
Das ist kein Hexenwerk, aber konsequentes Vorgehen hilft. Machen Sie das jetzt, bevor die Jacken wieder in den Schrank wandern.
- Waschen und reinigen: Alle Wollstücke, Mäntel mit Duft- oder Schmutzspuren reinigen (Laut Pflegeetikett). Viele Motteneier überleben Frost nicht – kleine Wollteile 48 Stunden bei -18 °C einfrieren, wenn möglich.
- Gründlich saugen: Schrankboden, Ritzen und Polster absaugen (Kärcher/normaler Staubsauger). Mottenlarven und Eier verstecken sich gerne in Ecken.
- Luftfeuchte kontrollieren: In Keller oder Dachboden Raumentfeuchter (Elektro oder Granulat) nutzen; Werte unter 55 % sind ideal. In feuchten Regionen wie an der Nordsee häufiger lüften.
- Richtig lagern: Atmungsaktive Baumwoll-Gardebags statt Plastikhüllen; für längere Lagerung Vakuumbehälter mit Silica-Gel nutzen.
- Natürliche Abwehr: Zedernholz (z. B. aus OBI), Lavendelsäckchen (DM), oder getrocknete Lorbeerblätter – zwar kein 100%-Schutz, reduzieren aber die Attraktivität.
- Bei Befall: Sofort isolieren, befallene Teile professionell reinigen lassen oder bei hitzeempfindlichen Stücken einfrieren. Pheromonfallen helfen, männliche Motten zu fangen und den Befall zu überwachen.
- Sicherheitswarnung: Mottenschutz-Kugeln (Naphthalin) sind effektiv, aber toxisch für Kinder und Haustiere. Besser moderne Alternativen oder fachkundige Beratung wählen.
Beispiele aus der Praxis
In einem Test bei uns in der Redaktion schnitten zwei Haushalte unterschiedlich ab: Der eine lagerte Mäntel in luftdichten Plastikhüllen im feuchten Keller — nach einem Winter hatten sie Schimmel und Motten. Der andere nutzte einen kleinen elektrischen Raumentfeuchter, ließ alle Mäntel vor dem Einlagern reinigen und setzte Zedernholz ein — null Schäden. Die Unterschiede sind oft banal, aber entscheidend.

Wann Sie Profis rufen sollten
Wenn Sie flächige Schäden, aktives Ausbrüten oder gesundheitliche Probleme durch Schimmel feststellen, ist eine professionelle Schädlingsbekämpfung und Schimmelbeseitigung ratsam. Lokal gibt es gute Dienste; in Städten wie Berlin oder München bieten viele Handwerksbetriebe schnelle Hilfe.
Geben Sie Ihrer Garderobe die Chance, den nächsten Winter frisch zu erleben: säubern, trocknen, lüften und kontrollieren. Das kostet Zeit, spart aber teure Reparaturen oder Neuanschaffungen.
Welche Methode hat bei Ihnen am besten geholfen? Teilen Sie Ihren Tipp oder stellen Sie eine Frage — ich antworte gern.
