Schon einmal einen warmen Steckdosenrand oder verkohlten Stecker gesehen? Das ist kein Mythos. Ich habe festgestellt, dass viele Unfälle genau so anfangen: mit drei harmlosen Ladegeräten, die zusammen ein Problem werden.
Warum du das jetzt lesen solltest: In der kalten Jahreszeit laden wir mehr Geräte in der Wohnung — E-Bikes, Smartphones, Werkstatt-Akkus. Das kann die Sicherung überfordern oder im schlimmsten Fall ein Feuer auslösen.
Warum das plötzlich nicht mehr zuverlässig funktioniert
Stell dir vor, du füllst ein kleines Waschbecken mit drei starken Gartenschläuchen — das Überlaufrohr bleibt gleich groß. So verhält es sich mit deiner Stromleitung.
In deutschen Wohnungen laufen meist mehrere Steckdosen auf eine 16-A-Sicherung (≈ 3.680 W). Wenn mehrere Hochleistungs-Ladegeräte parallel laufen, steigt das Risiko von Überhitzung und Kurzschluss.
Was Elektriker wirklich sehen
In meiner Praxis sehe ich oft diese Muster:
- Alte Mehrfachsteckdosen mit vergilbten Kontakten — kleine Funken, große Folgen.
- Billige Ladegeräte ohne Schutzschaltungen (häufig aus Online-Importen).
- Das Laden von schweren Akkus (E-Bike / Akkuschrauber) aus derselben Steckdosenleiste.

Diese 3 Geräte solltest du niemals gleichzeitig laden
Viele übersehen die Kombination; einzeln sind die Geräte meist harmlos. Zusammen können sie gefährlich werden.
1) E‑Bike- oder E‑Scooter-Akkus
E‑Bike-Ladegeräte ziehen Zeitweise hohe Ströme und werden bei längerem Laden warm. Alte Akkus können zusätzlich Wärmeentwicklung verstärken.
2) Mobile Elektroauto-Ladegeräte (Schuko/Notladekabel)
Das mobile Laden eines E‑Autos über eine normale Schuko‑Steckdose ist eine Belastung, die leicht an die Grenzen einer Wohnungselektrik kommt. Viele tun es trotzdem — oft verbunden mit Ladepausen in der Küche.
3) Mehrere Akkuladegeräte für Werkzeuge (Bohrschrauber, Rasenmäher, Powerbanks)
Werkzeugakkus werden in Garagen oder Fluren geladen. Zusammen mit E‑Bike und Laptop sind sie die gefährlichste Mischung.
Konkrete Risiken — kurz & klar
- Überlastung der Sicherung → Stromausfall oder heißer Leitungskontakt.
- Überhitzte Steckdosen → Schwelbrände hinter der Wand.
- Fehlerhafte Akkuelektronik → thermisches Durchgehen (Brand in der Zelle).
Praktische Sofort-Maßnahmen (die wirklich helfen)
Du brauchst keine neue Elektronik, nur bewusstes Verhalten. In meiner Praxis hat schon das Umverteilen der Ladungen viele Probleme verhindert.
- Verteile die Geräte auf verschiedene Räume/Steckdosenkreise (Küche vs. Schlafzimmer).
- Nutze keine schadhaften Mehrfachstecker oder Verlängerungen — besonders nicht für Akkulader.
- Schalte auf zertifizierte Ladegeräte mit GS- oder TÜV-Kennzeichnung um.
- Lade schwere Akkus nicht unbeaufsichtigt über Nacht im Hausflur oder Keller.
Schritt-für-Schritt-Hack: Wie du die Last prüfst
Ein einfacher, billiger Trick, den ich oft empfehle:

- 1) Kaufe einen Zwischenstecker-Energiemesser (≈ 10–30 € bei Aldi, MediaMarkt, Amazon).
- 2) Stecke das Ladegerät einzeln ein und notiere die Wattzahl beim Laden.
- 3) Addiere die Wattzahlen der Geräte, die du gleichzeitig nutzen möchtest.
- 4) Liegt die Summe nahe an 3.500–4.000 W? Dann nicht gleichzeitig laden — oder rufe einen Elektriker.
Langfristige Lösungen — wenn du oft lädst
Wenn du regelmäßig E‑Bike oder Auto zuhause lädst, lohnt sich Profi-Material:
- Dedicated circuit (separater Stromkreis) für E‑Bike/EV-Ladestation — Kosten in Deutschland oft 200–800 € je nach Installation.
- CEE‑Steckdose (blaue/rot) im Keller oder Garage für starke Verbraucher.
- Regelmäßige Prüfung durch einen Elektroinstallateur (TÜV/Schutzkontakt‑Test).
Was tun, wenn es schon riecht oder Funken fliegen?
- Unbedingt: Stecker ziehen — aber nur, wenn keine Flammen vorhanden sind und du dich nicht verletzten könntest.
- Rauch oder Feuer: Wohnung verlassen und 112 anrufen.
- Danach: Elektriker kommen lassen, bevor du wieder lädst.
By the way: In deutschen Mietwohnungen sind oft mehrere Wohneinheiten an einem Strang — sprich mit deinem Vermieter, wenn du regelmäßig hohe Lasten erzeugst. Viele Vermieter akzeptieren Kostenbeteiligung für eine sichere Installation.
Kurzes Fazit
Ich habe erlebt, wie aus kleinsten Nachlässigkeiten klare Gefahren wurden. Verteile das Laden, messe die Last und investiere lieber einmal in eine sichere Lösung. Dein Zuhause ist keine Versuchsstation.
Welche Kombination lädst du bei dir zuhause am häufigsten — und hast du schon einmal merkwürdiges Knistern an der Steckdose bemerkt? Schreib es in die Kommentare.
