Deine Heizung geht mitten im Januar aus — und du frierst. Bevor der Techniker schraubt, gibt es eine Reihenfolge, die fast jeder Elektriker in Deutschland abarbeitet. Wenn du das weißt, sparst du Zeit, Nerven und vielleicht 100 Euro Anfahrt.
Ich habe oft erlebt, dass Kleinigkeiten Schuld sind — und selten der teure Kessel. Lies jetzt, was wirklich zuerst geprüft wird, damit du beim Anruf vorbereitet bist.
Warum das so wichtig ist
Viele rufen gleich den Heizungsbauer — aber wenn es ein elektrisches Problem ist, ist der Elektriker schneller und günstiger. Stromfehler sind die häufigsten Überraschungen, vor allem nach Gewittern oder Stromausfällen.
Und: Ein falscher Handgriff kann gefährlich sein. Deshalb prüft ein Elektriker systematisch, bevor er Teile tauscht.
Die schnelle Checkliste: Was zuerst geprüft wird
- Netzanschluss und Hauptsicherung (Hauptsicherung, FI/RCD)
- Stromzufuhr zur Heizungsanlage (Trennschalter, Automaten)
- Anzeige- und Fehlermeldungen am Kessel/Regler
- Thermostate und Raumfühler (Batterien, Verkabelung)
- Umwälzpumpe: Stromaufnahme, Laufverhalten, Fehlerrelais
- Steuerplatine und Relais (sichtbare Brandspuren, kalte Lötstellen)
- Potentialausgleich und Erdung (Sicherheitscheck)
Warum diese Reihenfolge?
Weil sie von leicht zu schwer geht. Ein fauler Kontakt an der Sicherung ist fix geprüft — und oft die Ursache. Wenn das nicht greift, folgt die komplexere Elektronik.
Was du als Hausbesitzer selber prüfen kannst (ohne Schraubenzieher)
- Prüfe Sicherungen und FI-Schalter im Sicherungskasten. Hast du nachträgliche Ausfälle?
- Schau auf das Display des Kessels: Welche Fehlernummer steht da?
- Thermostat: Batterie wechseln und nochmals testweise hochdrehen.
- Hast du Geruch von Gas? Dann sofort Fenster auf und Notruf wählen (112), keine elektrischen Schalter betätigen.
Ich habe bemerkt, dass die Batterie im Thermostat in 30% der Fälle das Problem war — peinlich, aber effektiv zu beheben.

Technische Details, die Elektriker als Nächstes prüfen
Wenn die Basischecks nichts bringen, geht der Elektriker tiefer:
- Spannungsmessung an der Anschlussklemme (230 V / 400 V je nach Anlage)
- Durchgangs- und Isolationsmessungen an Kabeln
- Prüfung der Steuerplatine auf Kurzschlüsse und Kondensatorausfälle
- Test der Umwälzpumpe mit einem Stromzangen-Messgerät
- Kontrolle von Stellmotoren an Heizkörperventilen (Stellantriebe)
Wenn Elektronik defekt ist, sehe ich oft kalte Lötstellen oder Korrosion durch Feuchtigkeit — das wirkt simpel, ist aber tückisch.
Was ein Elektriker niemals macht — und wer trotzdem gerufen werden muss
Ein Elektriker darf in der Regel keine Gasleitungen öffnen oder Brenner mechanisch anpassen. Für gasführende Teile brauchst du einen zertifizierten Heizungs- oder Gasinstallateur.
Also: Elektriker für elektrische Ursachen, Heizungsbauer für Gas/Brennstoff. Und bei Verdacht auf Schornstein- oder Abgasaustritt kommt der Schornsteinfeger ins Spiel.
Praktischer Life-Hack: 5-Minuten-Check vor dem Anruf
Folge dieser Reihenfolge — sie hat mir oft den Anfahrtskostenbesuch erspart:
- Schritt 1: Sicherungskasten auf FI/Auslösung prüfen und resetten.
- Schritt 2: Display am Kessel fotografieren (Fehlercode merken).
- Schritt 3: Thermostatbatterien wechseln und Thermostat direkt am Kessel aufdrehen.
- Schritt 4: Radiatoren entlüften (kleiner Schlüssel) — manchmal läuft die Pumpe leer.
- Schritt 5: Wenn nichts hilft, Bild und Beschreibung an deinen Elektriker schicken. Das verkürzt die Diagnose.
Dieser Check dauert keine 10 Minuten und zeigt oft, ob es ein einfacher Fehler ist.

Kostensicherheit in Deutschland — was du erwarten kannst
Die Anfahrtspauschale und Stundensätze variieren: Viele Elektriker verlangen Anfahrt + Stundensatz (in Städten wie Berlin oder München eher höher). Rechne grob mit einer Anfahrt von ~20–60 EUR und 60–120 EUR pro Stunde.
Einfachere Teile (Batterien, Sicherung) sind günstig; Ersatzteile wie Steuerplatinen können mehrere hundert Euro kosten. Deshalb vorher Fragen und Kostenvoranschlag verlangen.
Kurze Fälle aus der Praxis
Ich erinnere mich an einen Altbau in Köln: Heizkörper kalt, Kessel ohne Störungscode. Ergebnis: Defekte Umwälzpumpe — 40 Minuten Arbeit, Problem gelöst. In einem anderen Fall war es nur eine lose Klemme im Sicherungskasten nach einem Gewitter.
Solche Geschichten zeigen: Erst prüfen, dann wechseln.
Letzte Tipps — damit du nicht unnötig zahlst
- Fotos und genaue Fehlermeldungen schicken — das spart Zeit.
- Frag nach Festpreis für einfache Diagnosen.
- Vergleiche lokale Elektrikerbewertungen (z. B. bei MyHammer oder Google).
- Bei Gasgeruch sofort Notruf 112 — keine Experimente.
By the way: In vielen Regionen Deutschlands gibt es Förderprogramme für neue Heiztechnik — erkundige dich beim Energieberater deiner Stadt, bevor du eine teure Platine tauschst.
Fazit: Ein Elektriker beginnt immer bei der Stromversorgung und arbeitet sich zur Elektronik vor. Viele Probleme sind kleiner, als sie aussehen — und oft vermeidbar, wenn du vorher 5 Minuten prüfst.
Was war dein merkwürdigster Heizungs-Fall? Schreib es in die Kommentare — ich antworte mit Tipps.
