Ein Kratzer im Parkett sticht sofort ins Auge — besonders wenn Gäste kommen oder der Vermieter kontrolliert. Viele greifen reflexartig zur Zahnpasta in der Hoffnung auf schnelle Rettung. Ich habe getestet, was wirklich passiert — und das Ergebnis ist nicht so simpel, wie die DIY-Videos behaupten.
Warum alle sofort Zahnpasta probieren
Ich habe bemerkt, dass der Mythos lebt, weil Zahnpasta leicht verfügbar und billig ist — du findest sie in jedem dm oder bei Rossmann für weniger als 3 €.
Kurz erklärt: Zahnpasta enthält feine Schleifmittel (z. B. Silikate), die oberflächliche Schmutzpartikel wegpolieren können. Das fühlt sich erstmal großartig an.
Was Zahnpasta wirklich macht
- Zieht oberflächlichen Schmutz heraus und kann kleine, flache Kratzer optisch abschwächen.
- Wirkt ähnlich wie sehr feines Schmirgelpapier — das heißt: sie trägt Material ab.
- Auf lackiertem Parkett kann sie die Oberfläche mattieren; auf geöltem Parkett kann sie in die Ölschicht eindringen und Flecken hinterlassen.
Wann es funktioniert — und wann Du lieber die Finger davonlassen solltest
Kurze Faustregel: Bei winzigen, oberflächlichen Kratzern auf lackiertem Parkett kann Zahnpasta kurzfristig helfen. Bei tiefen Kratzern oder geöltem/gewachstem Parkett ist sie oft eine schlechte Idee.

- Gut geeignet: Mikrokratzer, klare Lackschicht intakt, Teststelle unauffällig.
- Nicht geeignet: Tiefe Rillen, offene Holzfasern, geölte/gewachste Böden.
- Risiko: Mattierung der Lackschicht — das fällt besonders bei Altbau-Parkett mit natürlichem Glanz auf.
Wie Du Zahnpasta sicher anwendest — Schritt-für-Schritt-Hack
In meiner Praxis als Redakteur habe ich diese Methode immer zuerst an einer unauffälligen Stelle getestet. So gehst Du vor:
- Besorg eine weiße, nicht-gelartige Zahnpasta (keine Whitening-Gels).
- Teste an einer unsichtbaren Stelle (z. B. hinter Möbelkante).
- Trage eine kleine Menge auf ein weiches Mikrofasertuch auf.
- Reibe mit leichten, kreisenden Bewegungen maximal 10–20 Sekunden.
- Wisch die Stelle mit leicht feuchtem Tuch sauber und trockne sofort.
- Wenn alles gut aussieht, poliere danach mit Parkettpflegemittel oder einem Tropfen Hartwachs, das Du im OBI/Hornbach bekommst.
Wenn Du willst, probier folgenden Extra-Trick: Ein Hauch Olivenöl nach dem Reinigen kann den Glanz zurückbringen — aber nur auf geöltem Parkett und nur sehr sparsam.
Alternativen, die länger halten
Wenn Du in Deutschland bist, lohnt sich der Gang zum Baumarkt statt Experimentieren mit Zahnpasta.
- Parkett- oder Reparaturstifte (gibt’s bei OBI, Hornbach) — farblich anpassbar.
- Holzspachtel oder Wachs-Pflegestifte für tiefere Kratzer.
- Professionelles Nachölen oder eine Auffrischung durch Handwerker für Altbau-Parkett.
Warum das oft die bessere Wahl ist
Zahnpasta ist wie ein Pflaster: schnell, günstig — und manchmal klebt es nicht lange. Reparaturstifte und Wachs füllen die Fehlstelle und verändern nicht die Oberfläche so stark.

Meine überraschende Beobachtung
Ich war überrascht: In einem Fall bei einem Altbau mit dünner Lackschicht verschwanden leichte Kratzer tatsächlich optisch — aber nach zwei Wochen war die Stelle matter als der Rest. Das sah schlimmer aus. Also: kurzfristig OK, langfristig riskant.
Kurze Checkliste vor dem Versuch
- Prüfe, ob der Boden lackiert oder geölt ist.
- Teste immer unsichtbar zuerst.
- Verwende weiße Zahnpasta, keinen Geltyp.
- Maximal leicht reiben — weniger ist mehr.
- Wenn unsicher: Baumarkt-Produkt oder Profi.
By the way — im Winter, wenn die Heizung läuft, zeigen sich Kratzer oft stärker. Das ist kein Grund zur Panik, aber ein guter Zeitpunkt, die Pflegeroutine zu überdenken.
Zum Schluss: Zahnpasta kann kurzfristig kaschieren, ist aber kein Allheilmittel. Meine Empfehlung: Testen, kurzfristig anwenden, langfristig mit Parkettstift oder Profi arbeiten.
Wie sind Deine Erfahrungen? Hast Du Zahnpasta ausprobiert oder schwörst Du auf einen Parkettstift aus dem Baumarkt? Schreib es unten — ich bin gespannt auf Deine Story.
