Dein Parkett hat einen frischen Kratzer und jemand hat scheinbar Zahnpasta benutzt, um ihn zu „verstecken“. Das passiert öfter, als Du denkst — und es ist nicht harmlos. Lies das jetzt, bevor Du selbst mit der Paste drüberreibst: Was kurzfristig klappt, kann langfristig teuer werden.
Warum das so oft passiert
Ich habe es auf Baustellen und in Nachbarswohnungen gesehen: Wenn Zeit oder Material knapp sind, greifen Leute zur Zahnpasta. Sie ist billig, überall vorhanden und fühlt sich wie ein schneller Fix an.
- Kostendruck: Für Kurzaufträge sparen Handwerker gern an der Zeit.
- Bequemlichkeit: Zahnpasta liegt in jeder Wohnung — schneller als zum Baumarkt zu fahren.
- Optik-Trick: Auf Fotos von weiter weg sieht der Kratzer weggezaubert aus.
- Haftungsangst: Wer zugibt, etwas Improvisiertes gemacht zu haben, riskiert Reklamationen.
Was Handwerker Dir nicht sagen
In meiner Praxis fiel mir auf: Viele verschweigen es bewusst. Nicht weil sie Dich täuschen wollen, sondern weil es Probleme nach sich ziehen kann — für sie und für Dich.
Wenn ein Profi zugibt, Zahnpasta verwendet zu haben, ist das oft das Eingeständnis: Ich konnte das Problem jetzt nicht richtig beheben.

Was Zahnpasta tatsächlich mit Parkett macht
Zahnpasta enthält Schleifmittel und Bleichstoffe. Kurzfristig können sie helle Kratzer kaschieren. Langfristig schleift die Paste das Finish an und verändert die Oberfläche — oft unsichtbar, bis Licht und Feuchtigkeit die Stelle angreifbar machen.
- Geeignet für: nur sehr feine, oberflächliche Kratzer auf lackiertem Parkett.
- Risiko: Mattwerden des Lacks, weiße Ränder, unterschiedlicher Glanzgrad.
- Folge: Du brauchst später womöglich Nacharbeit — Abschleifen und Neulackieren.
Der sichere Weg: Was Du jetzt tun solltest
Bevor Du zur Zahnpasta greifst: atme kurz durch und probiere diese pragmatischen Alternativen — viele davon bekommst Du in Deutschland bei Hornbach, Obi, Bauhaus oder Toom für wenige Euro.
- Möbelstift (Möbelstifte) – ca. 3–8 €: Farblich passend auftragen, trocknet schnell.
- Wachsstifte / Holzwachs-Paste – ca. 5–15 €: Füllt Kratzer und passt sich Farbtönen an.
- Walnuss-Trick (kostenlos): Mit der Schale über dunkle Kratzer reiben, Öl der Nuss dunkelt das Holz.
- Parkett-Pflegeöl / Pflegecreme – 8–20 €: Nach kleinen Korrekturen auftragen, schützt die Fläche.
- Für tiefe Schäden: Tischler anrufen — Kleinreparatur meist 30–120 €, Abschleifen/Neuversiegeln ab 200 € pro Zimmer.
Mein No-BS Notfall-Hack (wenn’s wirklich schnell gehen muss)
Ich habe diesen Ablauf oft getestet — er ist kein Profi-Ersatz, aber besser als rohe Zahnpasta:
- Schritt 1: Test an unauffälliger Stelle (z. B. hinter einer Tür). Nutze wenig Produkt.
- Schritt 2: Nur weiße, nicht-gel Zahnpasta nutzen; mit einem weichen Tuch sehr sanft einreiben (kreisend, max. 10 Sekunden).
- Schritt 3: Mit leicht feuchtem Tuch restlos entfernen, nicht scheuern.
- Schritt 4: Sofort Parkett-Pflegecreme oder ein Tropfen Öl auftragen und polieren — das reduziert Matt-Effekt.
By the way: Wenn Du Zweifel hast, fotografiere die Stelle und zeige sie im Baumarkt. Die Typen bei Hornbach oder Obi empfehlen meist passende Möbelstifte oder Holzpasten.
Langfristiger Rat: Reparieren statt kaschieren
Ein richtig ausgeführter Parkett-Job ist wie ein guter Anzug: er sitzt, hält und sieht lange gut aus. Kaschieren mit Zahnpasta ist wie ein Pflaster auf gebrochener Rippe — kurzfristig beruhigend, gefährlich in der Wirkung.

- Tiefe Kratzer: Holzspachtel + Nachbeizen + Lack/Öl
- Große Flächen: Abschleifen und neu versiegeln (Tischler oder Fachbetrieb)
- Garantiefragen: Bei neu verlegtem Parkett kann DIY die Gewährleistung gefährden — prüfe Rechnungen und Verträge.
Wie Handwerker das moralisch rechtfertigen
Manche Kollegen nennen es „provisorisch“ oder „optisch retuschiert“, um einen besseren Foto-Eindruck zu erzielen oder beim Kunden Zeit zu gewinnen. Ich habe es erlebt: Der Kunde ist kurzfristig zufrieden, später kommt oft der Ärger.
Und noch etwas: In Deutschland herrscht bei Bodenlegern oft Zeitdruck wegen Wetter und Terminen — Parkett darf nicht lange offen liegen, weil Feuchtigkeit eindringen kann. Das führt zu Kompromissen.
Quick-Checklist: Was Du tun solltest, wenn Du Zahnpasta auf Deinem Parkett findest
- Fotos machen (für Reklamation/Beweis).
- Nicht sofort groß fluten oder agressiv reinigen.
- Testen: kleine Probe mit Parkett-Pflegecreme.
- Bei sichtbaren Schäden: Kostenvoranschlag vom Tischler einholen.
- In Mietwohnungen: Vermieter informieren — keine heimlichen Reparaturen.
Zum Abschluss: Ich habe gesehen, wie ein kleiner Kratzer mit Zahnpasta „verschwunden“ ist — aber ein Jahr später stand der Besitzer vor einem größeren Nacharbeits-Aufwand. Zahnpasta ist ein kosmetisches Pflaster, kein Ersatz für echte Reparatur.
Was hast Du gemacht, als Du das erste Mal Zahnpasta auf Parkett gesehen hast — weggewischt, nachgepflegt oder dem Handwerker nachgefragt? Schreib’s unten.
